Eltern als Vorbild

 Posted by at 11:09
Feb 292012
 

Dipl. Ing. Helmut Stadler, Elternvereinsobmann des Gymnasiums, über einen grundlegenden Aspekt des Eltern-Kind-Verhältnisses.


Helmut Stadler
Eltern als Vorbild

Die Rolle der Eltern ist höchst vielfältig: Anlaufstelle für Wünsche und Sorgen der Kinder, Autorität der Familie, Freund und Begleiter in der Freizeit ebenso wie Aufpasser oder Helfer in der Not. Untrennbar damit verbunden ist eine ständige Wahrnehmung des elterlichen Verhaltens durch die Kinder, unvermeidlich der ständige Vergleich mit anderen innerhalb und außerhalb der Familie, woraus Wertschätzung oder Ablehnung resultieren können, Liebe und Bewunderung ebenso wie Abneigung, ja Entfremdung. Wir können uns diesem imaginären Wettbewerb nicht entziehen, vielmehr müssen wir uns dessen bewusst sein: Eltern sind immer ein Maßstab für das Verhalten der Kinder, sie können gute oder schlechte Vorbilder sein.

Schon in den ersten Lebensjahren, in denen bekanntlich der Charakter des Menschen geprägt wird, hat elterliches Verhalten einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung des Kindes. Spürt es Liebe und Zuneigung, Wärme und Geborgenheit seitens der Eltern, dann wird auch das Kind in seinem Charakter positiv beeinflusst, ebenso wie elterliches Desinteresse oder Ungerechtigkeit zu einem einsamen und introvertierten Charakter führen können.

In den ersten Schuljahren wird die elterliche Erziehung schwieriger: neben Spiel und Freizeit kommt jetzt die Pflicht ins Leben der Kinder. Die Eltern mahnen zur Hausaufgabe, sind mit den schulischen Leistungen vielleicht nicht zufrieden, müssen neben Lob und Belohnung vielleicht auch tadeln und bestrafen. Oft helfen Eltern ihren Kindern bei den Hausaufgaben, manchmal sind sie damit auch überfordert. Ist das auch Vorbild? Und ob! Nicht nur was Eltern für Ihre Kinder tun, sondern vor allem wie sie es tun hat eine wichtige Vorbildwirkung. Zeit für die eigenen Kinder zu haben, Erziehung als liebevolle Zuwendung und nicht als lästige Pflicht zu verstehen, ist vorbildlich im positiven Sinn des Wortes. Kinder registrieren unbewusst, ob Eltern ihre eigenen Pflichten wahr nehmen, im Beruf oder auch zu Hause. Häufig wollen Kinder “so werden wie Mama und Papa”; denken wir daran, dass das auch im negativen Sinn wirken kann?

Je älter Kinder werden, desto selbständiger werden sie auch, der direkte Einfluss der Eltern auf ihr Verhalten und ihre Leistung nimmt in dem Maße ab, wie Fremdeinfluss und eigene Lebensvorstellungen zunehmen. Freunde und außerfamiliäre Bezugspersonen werden immer wichtiger. Nicht selten finden sich dort Vorbilder, mit denen Eltern verglichen werden, und nicht immer kommen Eltern dabei gut weg. Vor allem dann nicht, wenn ihr Verhalten nicht authentisch und konsistent ist. Vorbildliche Eltern sind nicht nur freundlich und freigebig, sie müssen auch streng und kritisch sein können, aber immer fair, gerecht und liebevoll. Kinder spüren ganz genau, ob Eltern recht haben oder ungerecht sind, auch wenn sie es nicht immer sagen. Ebenso wichtig wie die Erziehung der Kinder ist der Umgang von Eltern miteinander und mit anderen Menschen. Bei einem freundlichen Umgangston in der Familie sind auch Konflikte viel leichter zu lösen. Wie aber soll der Charakter eines Kindes gedeihen, wenn zuhause häufig gestritten wird? Wenn Kinder bei ihren Eltern Liebe und gegenseitige Achtung beobachten, werden sie selber viel eher solche Eigenschaften entwickeln. Wenn im Elternhaus Offenheit und Ehrlichkeit herrschen, baut das Kind ein unverlierbares Vertrauen zu den Eltern auf und entwickelt selber ein solches Verhalten.

Es kommt der Zeitpunkt, wo Eltern kaum noch direkten erzieherischen Einfluss auf ihr Kind haben, wo sich Kinder nichts mehr sagen lassen wollen und nur mehr ihr eigener Wille zählt. Mag sein, dass dann die Möglichkeiten der Eltern zur Erziehung stark reduziert sind, sich auf materielle Belohnung oder Bestrafung beschränken. Aber die Wirkung des elterlichen Vorbildes geht nicht verloren, sondern beweist sich gerade dann als Fundament einer positiven Beziehung zu den Kindern. Es ist eine wunderbare Bestätigung guter Erziehung, wenn Kinder auch dann noch mit ihren Sorgen und Freuden zu den Eltern kommen, wenn sie sonst schon ihre eigenen Wege gehen. Wenn Eltern im Laufe der Jahre ein gutes Vorbild waren, dann konnten Kinder ein Vertrauen zu ihnen entwickeln, welches eigentlich durch nichts zu erschüttern ist.

Natürlich wünschen sich Eltern, dass Ihnen ihre Kinder nachgeraten, man kann das nur nicht mit der Brechstange erzwingen. Vorbilder sind keine Eintagsfliegen. Sie werden lange Zeit beobachtet, und hinterlassen im Unterbewusstsein nachhaltige Spuren. Ein gutes Vorbild kann man auch nicht wie im Frontalunterricht vermitteln. Die Vorbildwirkung ist vielmehr die subtilste Form der Erziehung, ohne laute Worte oder Drohgebärden, einfach durch gutes Beispiel . Wenn Eltern zuhören können, lernen auch Kinder zuhören, wenn Eltern hilfsbereit sind, werden auch Kinder eher hilfsbereit sein, sind Eltern ungerecht,….

Wie heißt es doch im Volksmund? Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Wie wahr!

[25. November 2011]

Dipl. Ing. Helmut Stadler ist Obmann des Elternvereins des Gymnasiums Sacre Coeur Pressbaum


Sorry, the comment form is closed at this time.